4. the song of wind and water




30.08.

Nach einer ereignislosen Woche kam am Mittwoch Fabian dazu, damit sind wir jetzt vollständig. Im Laufe des Donnerstages bekamen wir dann mit, dass es einen Hurrikan am Wochenende geben soll. Also sind wir am Donnerstagabend noch einkaufen gegangen. Spätestens am Freitag merkte man dann, was ein Hurrikan für diese Region bedeutet. Alle Leute redeten von dem Hurrikan und ich habe unter den Einheimischen schon eine gewisse Anspannung gemerkt. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Hurrikan schon mit Hurrikan Katrina verglichen ,der 2005 New Orleans zerstört hat. Als wir am Freitag Nachmittag noch ein letztes Mal losgefahren sind um zu tanken, sahen wir, dass die Interstate von Houston Richtung Dallas blockiert war. Obwohl es keine Evakuierung gab, wollten viele Menschen weg vom Wasser und möglichst weit ins Landesinnere. Wir haben denn den Schlüssel zum Main Building vom GCTC bekommen, damit wir im Notfall dort hingehen können (das sollte sich später noch als hilfreich heraus stellen). Danach blieb uns nichts anders übrig, als uns in unseren Trailer zu verkriechen und das Beste zu hoffen. Liter von Wassermassen die darauf warteten über uns runter zukommen, ein möglicherweise historischer Sturm, dazu die Gefahr von Tornados und 3 Typen mitten im Wald, die nichts Sinnvolles zu tun haben. Kann das überhaupt gut gehen?

In der Nach vom Freitag zum Samstag sollte es um gegen 2 Uhr los gehen und tatsächlich am Samstag morgen hat es geschüttet wie aus Eimern. Wir versuchten das Beste draus zu machen und guckten denn ganzen Tag Game of Thrones, hörten Musik oder haben irgendwas am Computer gemacht. Es gab auch eine kurze regenfreie Zeit, in der wir in mit einem platten Ball Volleyball über unsere Wäscheleine gespielt haben. Ansonsten war der Samstag allerdings unspektakulär und langweilig.

Das änderte sich allerdings am Sonntag. Morgens um 5 weckte mich Hendrik. Ein Baum war direkt neben dem Trailer umgefallen und Tornados die möglicherweise in unsere Richtung unterwegs waren. Außerdem regnete und stürmte es draußen sehr stark. Zu diesem Zeitpunkt standen wir in Kontakt mit SDI in Deutschland. Die Frage , die sich stellte war, fahren wir jetzt zum GCTC und bringen uns in Sicherheit oder gehen wir wieder ins Bett. Da es mitten in der Nacht und ich tot müde war, entschieden wir uns im Trailer zu bleiben um weiter schlafen zu können. Eine Entscheidung die ich wahrscheinlich im wachen Zustand anders getroffen hätte.

Der umgekippte Baum am Dienstag nach dem Hurrikan.

Ich war sehr erleichtert, als ich Sonntag morgens aufwachte und unser Trailer noch ganz war, es allen gut ging und erstmal keine Tornados mehr im Anmarsch waren. Am Sonntag regnete es dann noch mehr als tags zu vor, sodass an Rausgehen überhaupt nicht mehr zudenken war. Aus Langeweile wetteten wir, wie lange es dauert, bis unser Mülleimer vor der Tür voll mit Wasser gelaufen ist. Das Ergebnis dieser Wette: Ich kann nicht schätzen. Als wir am Sonntagabend gegen 8 dachten wir hätten auch diesen Tag überstanden, kam es dann nochmal richtig Dicke. Erst viel der Strom aus (das Lichte hatte schon mehrmals geflackert, aber jetzt war der Strom ganz weg). Wenige Minuten später hörten wir ein lauten dumpfen Knall von Draußen. Erst dachte ich, es ist wieder einmal ein Ast gegen den Trailer geflogen (wie an den 2 Tagen schon öfters), aber als ich raus gesehen habe musste ich feststellen, dass ein Baum direkt vor unserm Haus um gefallen ist. Wäre er in die andere Richtung gefallen, dann wäre er genau auf (oder in) unseren Trailer gefallen. Ein bisschen weiter nach links und das Auto wäre hin gewesen. So aber hatten wir Glück und dieses mal war die Entscheidung schnell gefallen. Alles wichtig einpacken, Regenjacke überwerfen schnell ins Auto und zum GCTC.

Auf dem Weg lag dann auch noch ein Baum mitten auf der Straße. Aber wieder hatten wir Glück das Auto passte geradeso unter durch. Im GCTC waren dann schon die anderen Mitarbeiter, die in den Trailern bei uns in der Nähe wohnen. Dort gibt es auch einen Generator, sodass wir wieder Strom und Internet hatten. Dort warteten wir dann ein ganze Weile. Dabei konnten wir beobachten wie der Baum der auf dem Weg zu unserem Trailer lag zerschnitten und weggeräumt wurde. Gegen 12 Uhr entschieden wir uns nach langer Diskussion wieder zum Trailer zu fahren und dort zu schlafen. Im Trailer hatten wir zuerst Strom der aber nach wenigen Minuten wieder ausfiel. Dann gingen wir ins Bett. Ich habe allerdings in der Nacht sehr schlecht geschlafen.

Der umgekippte Baum vor unserem Haus nachdem er aus dem Weg geräumt wurde.

Am Montag Morgen war dann alles durcheinander im GCTC. Wir wurden Aufgrund von Personalmangel erstmal eingeteilt in den Dorms (dort wohnen die Jugendlichen) aufzupassen. Nachdem alle aufgestanden waren, begannen die Jugendlichen zu meiner Überraschung Musik zu machen das bedeutet einer trommelte mit der Hand an der Wand einer machte mit dem Mund eine menschliche Beatbox und mehrere begannen einen sehr einfachen Text zu singen. Es hat sich sogar dafür, dass es Hip Hop war, sehr gut angehört. Nachdem dann alle Jugendliche mit dem Bus abgeholt wurden und zu ihren Ausbildungsstellen gebracht wurden, hab ich denn Rest des Tages auf 4 Jugendliche aufgepasst die aus verschiedenen Gründen nicht zur Schule gehen konnten. Auch am Dienstag war im Medical Bereich für uns nur wenig zu tun, da auf Grund des Wetters niemand zum Arzt gefahren wurde. Inzwischen hat es bei uns aber aufgehört zu regen und zu stürmen. Als wir Nachmittags nach Huntsville gefahren sind um einzukaufen, sahen wir auf dem Weg durch den Wald jede Menge Bäume, die auf die Straße gekippt sind und weg geräumt wurden. Auf dem Rückweg haben wir zum ersten Mal seit Tagen wieder die Sonne gesehen. Heute war das Wetter sogar wieder so gut das wir draußen Karten gespielt haben.

Der Weg durch den Wald auf dem Weg nach Huntsville.