Woche eins

-It begins-

[16.08.2017]

Auch wenn es schwer war, die Nacht ruhig durchzuschlafen, da mir meine innere Uhr immer wieder sagen wollte, dass es doch Zeit sei, aufzustehen, bin ich heute morgen gut ausgeruht und freue mich darauf, mehr vom Camp zu sehen und am Nachmittag in die Stadt zu fahren, um den texanischen Führerschein zu beantragen. Das haben wir dann auch unkompliziert getan. Dieser wird mir per Post zugestellt, genau wie mein deutscher nach Hause geschickt wird. Sobald schließlich alles mit der Versicherung geklärt wurde, dürfen wir in unseren Wagen steigen und die Gegend erkunden.

Schließlich sind wir pünktlich zum Abendessen im Camp angekommen. Das Essen können wir auch in einer Box mit in den Trailer nehmen und dort, wie gewohnt mit Messer und Gabel zu uns nehmen. Den Kids in der Cafeteria bleibt leider nur eine Wegwerfgabel, was den Verzehr eines Steaks, wie heute Abend, sehr schwierig gestalten kann. Überwältigt, wenn auch überfordert, versuche ich heute noch etwas Schlaf nachzuholen, um morgen meinen Dienst regulär anzutreten.

[17.08.2017]

Pünktlich 08.30 Uhr habe ich mienen Dienst angetreten und war zum ersten mal im Hauptgebäude des Gulf Coast Trades Centers. Schon früh morgens war zu spüren, wie weit wir doch südlich sind. Nicht mal meine Sonnenbrille konnte ich tragen, da diese sofort beschlug. Dort angekommen, wurde ich von meinem Supervisor begrüßt und habe mit ihr über meine zukünftigen Aufgaben im Camp gesprochen. Ab der Nächsten Woche werde ich voraussichtlich als Human Ressources Clerk Helfertätigkeiten in der Personalabteilung verrichten.

Dort gibt es weit mehr zu tun, als ich mir vorgestellt hatte. Ich war schon am ersten Tag von den vielen Autos, die im Camp parkten überrascht. Die Jugendlichen werden in drei Schichten betreut, die Küche benötigt Personal und die Administration des Camps bedarf einer hohen Workforce. Nun ist mir auch klar, warum in dieser Abteilung so viel Bedarf an Arbeitskraft herrscht.

Bis ich aber dort beginne, werde ich noch einige Tage lang Seminaren beiwohnen, welche im Moment mit neuen Mitarbeitern stattfinden. Darin geht es um Konfliktbewältigung, das Leben hier und viele andere Dinge, die bei der Arbeit mit den Kids helfen werden.


Hier zu sehen ist unsere Wohngegend. Links oben ist der Trailer abgebildet, der mitten im Sam Houston National Forest liegt. Umgeben von wunderschönen Kiefern und Gewächsen, die ich trotz meiner Kindheit in einer Gärtnerei noch nie in meinem Leben gesehen habe. Leider wurde uns strikt davon abgeraten einen Fuß in den Wald zu setzen. Neben Alligatoren und Giftschlangen ist die Chance, sich zu verirren, sehr hoch, wobei die Überlebenschancen, geschuldet den hohen Temperaturen, hingegen gering sind. Ich kann es kaum erwarten den wilden Wein, der die meisten Bäume befällt, im Herbst mit roten Blättern zu sehen.

[18.08.2017]

Der heutige Tag begann für mich wieder 08.30 Uhr am morgen, als wir uns im Konferenzraum zur vorerst letzten Runde der Vorbereitung trafen. Auf dem Weg dort hin konnte ich die Luftfeuchtigkeit in Form von dichtem Nebel über mir herziehen sehen. Alles in der Nacht gekühlte (einschließlich mir selbst) beschlug schlagartig und fing fast an zu tropfen.

Im Seminar heute ging es vorrangig um Mobbing und den, aus einer rechtlichen Perspektive betrachtet, richtigen Umgang mit den Kids. Nach dem Trainig habe ich mich zusammen mit Ms Harris und Dr. Underwood getroffen und über die Nutzungsbedingungen unseres Autos gesprochen. Nachdem wir unseren vorläufigen Führerschein erhalten haben, haben wir jetzt auch das passende Fahrzeug dazu und können nun die Gegend erkunden und einen Vorrat an Bugspray besorgen, welches wir noch benötigen werden.

Auf dem Bild ist unser (privater) fahrbarer Untersatz zu sehen, den wir das Jahr über haben werden, um die Gegend zu erkunden und um alltägliche Einkäufe zu erledigen. Dieser steht uns immer ab Nachmittags und das Wochenende über zur Verfügung, wenn er nicht mehr von den Mitarbeitern benötigt wird und wenn wir mit unserem Dienst fertig sind. Dazu erhalten wir eine Karte, mit der wir an allen Tankstellen kostenfrei tanken können. Eine Füllung im Monat steht usn frei, danach müssen wir zahlen, was aber bei den günstigen Spritpreisen hier kein Problem ist.

Somit sind wir gleich nach dem Abendessen zu unserer ersten Spritztour aufgebrochen um im Walmart ein paar Besorgungen für das Wochenende zu machen, was hier natürlich nicht so wichtig ist, da die Märkte hier die ganze Woche über und zu jeder Zeit geöffnet haben. Auch wenn auf den Straßen hier nicht im Ansatz die Geschwindigkeiten wie zu Hause zu erreichen sind, macht das Fahren doch Spaß. Vielleicht auch, da es im Auto schön kühl ist, sowie durch das automatische Getriebe das Fahren sehr entspannt vonstatten geht.

[19.08.2017]

Zum ersten Mal ohne Wecker aufgewacht und zum ersten Mal so richtig ausgeschlafen, habe ich mich zusammen mit Lukas mit unserem Auto auf den Weg zum nahe gelegenen Lake Conroe gemacht. Beim Mittagessen wurden wir noch von den Mitarbeitern gewarnt, nicht ins Wasser zu gehen, außer wir fänden Freude daran, mit Alligatoren zu schwimmen. Genau die richtige Adresse angefahren, kamen wir an einem kleinen Badestrand an, sowie einem Verleih für Jetskis und andere Wasserattraktionen. Also müssen wir wohl noch mal wiederkommen, was nicht lange dauern wird. Ein Glück ist der See bei uns gleich um die Ecke, also nur 30 Minuten bei normalem Verkehr. Direkte Nachbarschaft also.

Lake Conroe

Was ich aus einer früheren USA Reise noch kannte, war Shaved Ice. Dabei wird ein ganzer Eisblock zu kleinen Brocken, ähnlich einem Sorbet verarbeitet und darüber eine Art Sirup verteilt, sodass das Eis Geschmack bekommt. Zu wählen sind dabei unzählige Sorten, die alle gleichermaßen lecker, erfrischend und süß sind. Mit blau gefärbten Mund und einem vollen Bauch, sind wir wieder zum Trailer gefahren, um pünktlich zum Abendessen da zu sein. Schnell gegessen, sind wir schon wieder los zu einer nahe gelegenen Bar in Huntsville, um eine Runde Billard zu spielen. Auch wenn die Tische zu klein und die Queues verbogen waren, hat dies einen richtigen Einblick in das amerikanische Leben abseits der Metropolen gegeben. Leuchtende Neonschilder, laute Countrymusic und der ein oder andere Redneck gehören doch irgendwie dazu. Eben ganz anders als im feinen Deutschland.

[20.08.2017]

Nach dem Mittagessen noch belustigt angesprochen wurden, warum wir denn jeden Tag die rund 150 Meter vom Trailer zur Kantine zu Fuß und nicht, wie alle anderen, im Auto zurücklegen, haben wir nach einer Beschäftigung für den heutigen Tag gesucht.

Wie könnte es anders sein, haben habe ich mich heute wieder zusammen mit Lukas auf den Weg gemacht, die Gegend um unser neues zu Hause zu erkunden. Da ich nun inmitten eines Walds wohne und so auch die unmittelbare Gegend aus Seen, Bäumen und dichtem Geäst besteht, liegt es nahe, dass ich heute wieder im Wald unterwegs war.

Also ging es heute auf zum Huntsville State Park, gleich um die Ecke. Ab ins Auto und über die Interstate 45 gefahren, waren wir auch schon da.

Huntsville State Park

Dort angekommen, sind wir zu erst in Stück weit einem Wanderpfad durch den dichten Sam Houston National Park gefolgt. Ich kam mir vor wie im Gewächshaus zu Hause. Tropisches Feeling wurde nicht nur durch die zahlreichen und vor allem lauten Zikaden vermittelt, sondern auch durch die Vegetation, die sich vor allem auf Kiefern beläuft, da der Boden hier doch sehr sandig ist. Durch umgestürzte Bäume konnte ich aber eine Schicht Lehm entdecken, die für mich erklärt, warum sich hier solch große Seen bilden können. Als das Wasser langsam zur Neige ging, haben wir uns auf den Rückweg gemacht, um zum nahe gelegenen See zu fahren.

Nur zwei Minuten mit dem Auto die einzige Straße entlang, wartete dieser auch schon auf uns. Zahlreiche Menschen, ausgestattet mit Holzkohle und Kühlboxen haben diesen Ort ebenfalls für sich entdeckt und in dem kleinen Areal, dass fürs Schwimmen abgesperrt ist, tummelten sich zahlreiche Kinder mit ihren Eltern. Leider ist dieser Bereich nicht besonders groß, nicht zuletzt deshalb, da sich hier, mitten im Wald und am Wasser, viele Alligatoren aufhalten.

Wider die Erwartung, nicht ins Wasser springen zu dürfen, hatte ich auch heute weder Badesachen noch kein Strandtuch mit. Ebenfalls fehlt mir für die langen Wanderpfade, die ich auf jeden Fall sehen will, noch das richtige Schuhwerk, was nur einen Schluss übrig lässt. Ich komme wieder!