Woche drei

- Harvey-

[27.08.2017-28.08.2017]

Da wir schon darauf eingestellt waren, die nächsten Tage in unserem Trailer zu verbringen, war es für uns keine große Herausforderung, den Tag mit Serien, kurzen Sporteinlagen und einer Familienpackung M&Ms zu verbringen. Ich habe begonnen, das Jonglieren zu üben, bin in Badehose um das Haus gerannt und habe mit den beiden anderen Volleyball über unsere Wäscheleine gespielt. Ganz normale Aktivitäten während eines Hurricanes halt.

Doch plötzlich brach das Stromnetz zusammen. Ein Baum ist auf die Leitung gefallen und hat uns für einige Zeit lahmgelegt. Also Taschenlampe an, panisch im Kreis rennen, da das WLAN weg ist!! Sowie weiter Chips und M&Ms essen. Was soll man auch sonst machen? Das ging allerdings nur so lange, bis wir ein komisches, lautes aber dumpfes donnern gehört haben. Sofort war klar, dass dies ein weiterer Baum gewesen sein musste. So war es dann auch. Es hat die große Kiefer direkt vor unserem Haus erledigt. Wo sollen wir jetzt bitteschön unsere Wäsche aufhängen und viel wichtiger noch, Volleyball spielen?

Lachen konnte in diesem Moment allerdings keiner, da noch ein ganzer Haufen anderer, ähnlich großer Bäume um uns herumsteht. So haben alle schnell den Rucksack gepackt (meiner war natürlich schon vorbildlich fertig) und sind ins Auto gestiegen um ins Hauptgebäude des Camps zu fahren, wo wir sicher mit Strom und WLAN ausgestattet sind. Auf dem Weg musste ich dann dem Baum ausweichen, bzw. unterfahren, der uns für mehrere Stunden Stromausfall beschert hatte. Bei den Reparaturen konnte ich vom Meetingraum aus zuschauen, in dem wir es uns mit der neunen Staffel "Game of Thrones" gemütlich gemacht haben. Leider waren die Reparaturen mehr oder weniger Nutzlos, da nur kurz darauf wieder der Strom ausfiel. Diesmal aber bis Montag Nachmittag.

Mit heimatlicher Pünktlichkeit standen wir drei am Montag 08.00 Uhr im Hauptgebäude des Trades Centers bereit. Leide waren wir einige der wenigen, die es heute überhaupt so weit geschafft haben. Die Meisten Mitarbeiter konnten aufgrund des tagelangen Regens und Sturms nicht zu uns vorstoßen. So wurden wir mit reißender Motivation in einen Van geladen und auf die Dorms zur Aufsicht verteilt. Nach dem Frühstück, welches die Kids im Dorm einnahmen, wurde ich dann der Gruppe Horticulture zugeteilt. Zusammen mit einem älteren Mitarbeiter hatte ich die Verantwortung für 14 Kids, was gar nicht so leicht war, da dieser ständig und für lange Zeit einfach verschwand und seinen Wegen nach ging. Man kann sich vorstellen, dass es nicht leicht ist, auf einen Haufen Kids aufzupassen, die seit Tagen gelangweilt drinnen sitzen und einfach nur noch raus wollen, um etwas Action zu erleben. Diese hatten sie aber dann zur Täglichen Mathestunde zur Genüge! Naja zumindest die Lehrer und ich hatten welche.

Da heute nicht viel gegossen werden musste und der richtige Lehrer auch so nicht zu gegen war, sind wir nach der Matheeinheit wieder zurück in den "Shop", also den Lernraum, gelaufen, um einen Film zu schauen und die Jungs zu beschäftigen. nach 9 Stunden Schicht, 2 Stunden Schlaf und hektischen 30 Minuten der Evakuierung bin ich endlich fertig und kann mir ein paar M&Ms auf der Couch genehmigen. Was soll man anderes sagen als: Typischer Montag halt.

[29.08.2017]

Der Tag begann wie schon zu erwarten war mit leichten Regen und einem lauen Lüftchen. Übersetzt heißt das Starkregen, bei einer unglaublichen Kälte von 25°C und genug Sturm um jede Menge neuer Bäume umzuwerfen. Die Stromausfälle heute beschränkten sich allerdings nur auf wenige Sekunden.

Dafür bat die Arbeit heute im Gegensatz zu gestern viel Abwechslung. Es mussten knapp 2500 kleiner Becher mit Seife befüllt werden, welche die Kids als tägliche Ration zum duschen bekommen. Zudem haben wir einen Dorm gereinigt und die Betten bezogen, damit die morgen neu ankommenden Jugendlichen gut versorgt sind. Allerdings wurde mir versprochen, morgen wieder im Büro arbeiten zu dürfen. Jey, gratis Kaffee!

"Werft die Becher einfach da rein." Natürlich glänzen wir mit deutscher Ordnung!

"Werft die Becher einfach da rein." Heute konnten wir mit deutscher Ordnung glänzen. Oma ist bestimmt stolz auf mich.

Am nachmittag bin ich mit den anderen beiden nach Huntsville gefahren, um ein paar Besorgungen zu machen. Darunter war eine Regenjacke. War nicht so klug zu denken, einen Klasse 4 Hurricane ohne Jacke überstehen zu können aber naja, aus Fehlern lernt man. Diesen habe ich selbstaufwertenderweise nicht alleine begangen. Wie sich herausgestellt hat, waren im großen Outdoor und Sportladen keine Regenjacken mehr übrig. Blöd gelaufen, aber als wir wieder aus dem Laden gekommen sind, hat es tatsächlich aufgehört zu nässen. Ich habe wieder die SONNE gesehen! Darauf hin haben wir gleich ein paar Bälle und eine Frisbee gekauft, um morgen auf der Wiese herumtollen zu können. Natürlich aber erst nach der Arbeit in meinem trockenen und klimatisierten Büro mit lecker Kaffee.

[30.08.2017]

Endlich durfte ich wieder in mein kleines Büro zurück. Drinnen im trocknen und nicht so schwülen Administrationsgebäude. Ich habe wieder einen Berg an Akten schreddern dürfen, während ich entspannt im Drehstuhl saß. Dieses Vergnügen währte leider nur kurz denn es musste noch viel für die Dorms gemacht werden und der Verantwortliche ist in nächster Zeit nicht mehr a und musste mir seine Arbeit zeigen, damit ich diese zusammen mit Lukas übernehmen kann. Also hieß es Wäsche zusammenlegen, Waschmittel und Sachen des täglichen Bedarfs zusammenpacken und 3 Dorms kontrollieren. Den Nachmittag verbrachte ich dann mit den anderen beiden im Lager, wo wir Namensschilder auf T-Shirts und Socken geklebt haben. Mit gewohnter Effizienz schritten wir voran und waren natürlich wieder viel zu schnell fertig. Also haben wir es uns mit unserem Supervisor im Lager gemütlich gemacht. Zur Kulisse des Schnarchens unseres Chefs haben wir usn ein wenig unterhalten und die Zeit totgeschlagen, bis es nach Hause ging.

Dort haben wir es uns auf einer Biertischgarnitur vorm Trailer gemütlich gemacht. Abgerundet wurde dieses Ereignis der Entspannung mit einer kühlen Kola und ein paar Runden Arsch und 66er.

Zum Abschluss des Tages gab es für jeden ein paar Mozzarella Sticks. Hhhmmm lecker!

[31.08.2017]

Der Tag begann und verlief so wie sich schon der gestrige gestaltet hat. Ohne große Aufregung oder weites laufen, dafür aber mit langen und ausgiebigen Pausen, dem beharrlichen Schnarchen meines heutigen Supervisors und einer Dose Dr Pepper. Den Tag im kühlen Lagerraum zu verbringen war mir gerade recht, da heute der erste "normale" Tag nach dem Hurricane war. Die Sonne schien, es war warm und schwül und die Lovebugs umschwirrten mich zu tausenden.

Schließlich war der Feierabend gekommen und wir konnten es uns gemütlich machen. Naja zumindest nachdem wir den gesamten Trailer geputzt hatten. Da waren wir alle zugegeben in den letzt Tagen etwas nachlässig. Wer putzt schon, wenn es draußen regnet und man gelangweilt drinnen sitzt. Genau! Wir nicht.

Danach ging es noch etwas raus um die neuen Bälle und vor allem die Frisbee einzuweihen. Ein paar mal mehr oder weniger schlecht hin und hergespielt waren alle schon so verschwitzt, dass es mit Bewegung für heute reichte.

-Ready for Stardome!-

Die beste Entscheidung des Tages war aber, es sich im Freien auf der Bank gemütlich zu machen, die abständig leuchtenden Sterne und permanent beweglichen Flugzeuge im Mondeslicht zu betrachten und einfach etwas abzuschalten. Als Hintergrundbegleitung im pianissimo diente der Klang der Zikaden und die Melodie der Vögel und Frösche. Abgerundet vom nicht aus dieser Welt scheinenden Schauspiel der Leuchtkäfer war der heutige Abend perfekt zum nachdenken und zum rekapitulieren der letzten Tage und Wochen. Voller Freude, die Sonne wieder sehen zu können, bin ich gespannt auf den morgigen Tag.

[01.09.2017]

Wie schon von den letzten Tagen gewohnt, ging es heute vorrangig darum, die Dorms für die Kids fertig zu machen, also deren Kleidung zu reinigen und sie dem jeweiligem Student zuzuordnen, sowie alle nötigen Dinge fürs Wochenende bereitzustellen, da an diesem Keiner von uns im Camp sein wird.

Wie wir dann noch erfahren haben, ist am Montag ein Feiertag. Leider können wir nicht viel unternehmen, da es hier kaum Benzin gibt, da alles in Houston gebraucht wird, sowie die Ausgangssperre ab 22.00 Uhr im ganzen County noch in Kraft ist.

Um das Wochenende einzuleiten, ging es heute Abend in ein Steakhaus in Conroe. Zumindest war das der Plan. Da dieses völlig überfüllt war und eine riesige Schlange an Gästen davor wartete, um einen Tisch zu bekommen, haben wir uns schnell unentschieden und sind in ein Restaurant in der Nähe gegangen. Zum Glück ist hier gefühlt alle drei Meter eine Essgelegenhet. Die Amerikaner und ihr Essen eben.

Nach einer ordentlichen Portion Spareribs und einer Schale Pommes fuhr ich mit Fabian und Lukas zurück, wo wir den Abend bei einem "Wasser" und ein paar Folgen "Game of Thrones" ausklingen liesen.

[02.09.2017]

Nachdem der heutige Tag etwas später gestartet ist, als ich es gewöhnt bin, gab es erstmal ein kräftiges Frühstück. Am nachmittag haben wir uns auf den Weg nach Conroe gemacht, um uns dort ein Fitnessstudio anzuschauen. Dieses hat uns auch gleich mit seiner Größe, der Auswahl und Sauberkeit und vor allem dem Preis überzeugt. So sind wir gleich dort geblieben um die M&Ms und die Pizzen wieder loszuwerden.

Auf jeden Fall werde ich dort noch einige male Sport treiben müssen. Eine neue Packung M&Ms wartet schon auf uns auf dem Küchentisch.

[03.09.2017]

Wie soll man den Tag am besten zusammenfassen? Am besten so: Das Jonglieren klappt schon ganz gut und die Coladosen sind fast leer. Viel mehr konnte ich heute leider nicht unternehmen. Zum Joggen taten uns allen die Muskeln von gestern zu weh, weshalb ich das mit dem Sport geschickt auf morgen verschiebe. Wenigstens spielt das Wetter wieder mit. Wir hatten angenehme 32°C, was deutlich besser ist als Starkregen und die Sonne tagelang nicht zu sehen.