Woche 25

Mal wieder nach einer etwas laengeren Zeit veroefentliche ich hier zwei Text aus meinem monatlichen Bericht.


Dezember

Ich koennte hier an dieser Stelle berichten, wie wir Hendrik nach laengerer Suche hinter der mexikanischen Grenze wieder gefunden haben, wie Lukas in New Orleans nackt von der Polizei aufgegabelt wurde, wie Sandra spontan bei einem Imagine Dragons Konzert auf der Buehne ihre saengerischen Kuenste zeigen durfte oder Fabian und Sinan solangsam echt perfekt im Nageln sind, aber nein. Ich wende mich lieber wieder meinen philosophischen Erguessen zu:

“Seid konsistent. Seid nicht nachtragend. Lasst eure Problem ausserhalb des Camps” Saetze wie diese hoeren wir hier des Oefteren, wenn wir mit den students hier zu tun haben. “Euer Verhalten den Kids gegenueber soll immer berechenbar sein, sodas sie wissen, wie sie an euch sind.” Na klar hat jeder mal einen schlechten Tag. Man hat eine Nachricht erhalten, die einem nicht so passt. Man hat schlecht geschlafen. Man hat Muskelkater etc., aber dafuer koennen die students ja nichts. Es ist unfair Ihnen gegenueber, wenn sie das dann zu spueren bekommen. Sobald man den Campus betritt, sollte man alles von ausserhalb hinter sich lassen. Umgekehr sollte man aber auch die Geschehnisse, welche sich oncamp ereignet haben, auch nicht mit nach Hause nehmen. Dies ist dennoch einfacher gesagt als getan. So mancher Abend musste mit ein paar Bierchen verlaengert werden um sich bei den Volunteerskollegen auszukotzen. So manches Verhalten der kids kann einen zur Verzweiflung treiben. So manchmal wuerde man gerne jemand der Kopf gerade ruecken, waehrend dem Krankentransport aus dem Auto werfen oder einfach das Medicalfenster vor der Nase zuhauen. Naja man macht es halt dennoch nicht. Morgen ist schliesslich ein neuer Tag.

Um diesen Text noch mit einen Zitat zu beenden: “All for the kids and their future!”

PS.: Wenn sie dachten, die Einleitung ist wirklich so passiert, dann muss ich Sie leider enttaeuschen.


Januar

Deeskalation wird hier nicht nur gross geschrieben, weil es ein Nomen ist, sondern auch ein grosser Bestandteil in Umgang mit den students darstellt. Fuer uns Deutsche hier ist es nicht unbedingt immer einfach mit den Kids. Neben Voruteilen habe ich auch manchmal so meine Schwierigekeiten damit, wenn die students in ihrem Slang anfangen zu reden/fluchen oder ins Spanische wechseln. Knapp 50% der Kids hier sind mexikanischer Abstammung. Das Austesten von Grenzen ist bei den Kids ganz normal und kann sehr anstrengend werden. Es ist extrem wichtig zu wissen, wie man reagieren soll, damit eine Situation nicht eskaliert, der student sich beruhigt oder er einfach das macht, was er auch machen soll. Hierzu habe ich mir so manche Methoden angeeignet. Diese alle auf zuzaehlen, waere hier jetzt aber langweilig, deshalb nur ein paar Beispiele. Der Klassiker hierbei ist der “Ich verstehen dich nicht”, funktioniert leider nicht so oft, weil die kids relative schnell merken, dass man doch mehr versteht als man vorgibt zu verstehen. So manches beliebte Lied waehrend des Autofahrens unterbricht eine hitzige Diskussion, warum dieser oder jeder Arzt einen nur verarschen will oder warum dieser oder jener Mitarbeiter einen ungerecht behandelt. Viele der kids fallen ins Spanisch, wenn sie fluchen oder wuetend werden. Hierbei ist es manchmal echt interessant, wenn man auf Deutsch antwortet. Dabei muss der Inhalt nicht unbedingt boese gemeint sein. Ich z.b. lasse mich manchmal ueber das Wetter aus, dabei reicht ja schon ein boeser Tonfall, sie verstehen es ja eh nicht. Und ich muss sie nicht anluegen, wenn sie fragen, was ich gesagt habe. Dies reicht dann meist auch schon um das Gespraech auf eine gesittete Ebene zu bringen.

Damit ein abschliessender Spruch: “My English is not the yellow from the egg, but it goes” t