Woche 11

Für diesen Freiweilligendienst reichen wir Volunteers monatlich einen Bericht ein. Dieser beinhaltet unter anderem auch einen längeren Text über Geschehnisse. Diesen Text will ich euch natürlich nicht vorenthalten. Viel Spaß beim Lesen


Es ist mal wieder so weit. Der monatliche Abgabetermin steht vor der Tuer und ich muss auf Knopfdruck wieder eine Story schreiben. Da ich eher ungern ueber eine einzelne Situation schreibe und lieber ueber ein allgemeines Thema philosophiere, liegt die Herausforderung darin, ein Thema zu finden, welches einerseits (hoffentlich) interessant ist und andererseits nicht zu viel Interna verraet. Das mit der Geheimhaltung ist hier echt so eine Sache. (Siehe da ich habe ein Thema gefunden.) Wie meine Leser vielleicht wissen, befinde ich mich grossteils im Medical Department. Dies bedeutet ich, wie auch Lukas, bin fuer die Akten zustaendig, habe viel mit den students zu tun etc. Da bekommt man den ein oder anderen Einblick in die Vorgeschichte der Kids. Ein Tipp, welchen ich relative am Anfang erhalten habe, war, dass man sich die Geschichten nicht zu nahe gehen lassen soll und wenn moeglich erst gar nicht erfahren will. Die kommt daher, dass dies einerseits einen selbst fertig machen kann, andererseits aber auch die Verhaltensweise und Objektivitaet seiner selbst zerstoert. Dies ist aber in diesem Aufgabenbereich nicht so einfach, wenn man die Akten fuer bestimmte Sachen durchsuchen muss. Um ein paar Sachen zu nennen: Gewalt der Eltern, Vergewaltging von oder gegen Andere, Drogenmissbrauch, Obdachlosigkeit, keine Angehoerige… Da ist die benoetigte Objektivitaet nicht immer so einfach aufrecht zu erhalten. Diese Sachen beschraenken sich aber nicht nur auf die Vergangenheit. Krankenhausbesuche oder das Verbinden von Verletzungen kommen auch jetzt noch zu oft vor. Das Erschrenkende ist hierbei nicht nur die Taten an sich, sondern wie schnell alle dazu abstumpfen. Seien es die Kids selbst, die das als seine Selbstverstaendlichkeit hin nehmen, als auch ich. Auf die morgendliche Aussage das sein Kid wieder ins Roentgen muss, kommt keine Reaction wie “oh Shit”, sondern eher “Wann? Wer? Och, er war doch lezte Woche… Ok, dann fahre ich ihn nachher…”


Vielen Dank fuers Lesen. :) Hoffe ich konnte euch damit einen kleine Einblick geben.


Mfg


FMG