Woche 0,5

[25.05.2017]

Nun bin ich zwei hier im Gulf Coast Trades Center. Die neuen Eindrücke prasseln auf mich ein und ich lerne immer wieder neue Personen kennen. Da ich eh nicht so gut im lernen von Namen bin, ist dies eine Herausforderung für mich. Erschwert wird dies noch durch die Anzahl an Personen und teils auch durch deren Akzent. Gestern hatte ich eigentlich meinen freien Tag. Ich konnte ausschlafen, aber auf Grund der Zeitverschiebung war ich schon sehr früh wach. So lungerte ich im Trailer herum, räumte mein Zeug aus, frühstückte und erkundete ein bisschen die Gegend. Um halb 12 begab ich mich zum Verwaltungsgebäude um mich dort mit Hendrik fürs Mittagessen zu treffen. Nach dem Essen zeigte er mir kurz den "medical" Bereich. Dort wurde ich sofort eingespannt. So viel zu meinem freien Tag.... Ich fuhr mit zum Zahnarzt und half mit, nach Personen zu suchen, welche Termine beim Doktor hatten. Während die Kids beim Zahnarzt waren, fachsimpelte ich mit meiner Betreuerin über Game of Thrones. Abends nach der Arbeit fuhren wir 3 Jungs noch gemeinsam zu Walmart um einige kleine Besorgungen für das Wochenende zu tätigen und um uns anschließen jeweils einen großen Burger bei Wendys zu gönnen.

Heute war mein erster richtiger Arbeitstag. Wirklich spektakulär war dieser nicht, zu Beginn wurde ich Mrs. Harris vorgestellt, meiner Ansprechpartnerin hier im GCTC, welche ich schon von Deutschland aus kontaktiert hatte. Ich sollte einen Fragebogen für die Sicherheitsüberprüfung ausfüllen und wurde dann in das medical department geschickt. Dort war ich den ganzen Tag mit dem Schreddern und einsortieren von Akten und medizinischen Bögen beschäftigt.

[27.08.2017]

"How to survive a hurricane"

So könnte man den heutigen Eintrag nennen... Doch das klingt spektakulärer als es ist. Zur besseren Verständnis beginne ich von vorne. Wie man in den Nachrichten überall weltweit die Tage lesen kann und konnte, befindet sich momentan ein Hurricane auf dem Vormarsch in Texas. Dieser traf zwischen Houston und Corpus Christi auf das Festland und begann dort mit der Verwüstung. Wir befinden uns hier knapp 80 km nördlich von Houston und liegen somit nicht direkt im Zentrum der Geschehnisse. Dennoch sitzen wir hier in unserem Trailer fest und vertreiben uns die Zeit mit mehr oder weniger sinnvollen Beschäftigungen. Diese Beschäftigungen möchte ich weiter unten in einer Liste mit fotografischer Untermalung verdeutlichen. Letzte Nacht musste eine der Kiefern neben unserem Trailer sich der Übermacht des Windes beugen und wurde erlegt. Doch blieben wir davon verschont. Mit moralischer Unterstützung der Einsatzstellenleitung aus Deutschland überlebten meine Mitstreiter die Nacht, während ich seelenruhig des Schlafes frönte. Somit sind wir nur teilweise direkt betroffen und merken den Hurricane nur durch den ununterbrochenen Regen, die ab und zu einsetzenden Stromausfällen, den Verlust unserer treuen Kiefer (aber wir haben noch gefühlte hundert weitere hinter unserem Trailer) oder dem Knallen der Zapfen auf unserem Dach. Desweiteren haben wir nun einen Trailer am See mit Blick über den See in die ferne Wildnis. Der Vorrat an Cola und anderen Getränken neigt sich solangsam dem Ende und wurde schon der Einsatzstellenleitung in Deutschland mitgeteilt. Dieser (Jonathan) versprach für Nachschub zu sorgen. ;)

Die Liste:

  • Serien schauen: Game of Thrones, House of Cards
  • in Badehosen und -latschen mit Sonnenbrille um den Trailer rennen
  • bei lauter Musik abspacken (inklusive Karaoke, Luftgitarre und Dosenschlagzeug)
  • den Kühlschrank und die Gefriertruhe leer futtern
  • jonglieren (mit hackie sacks und Cola-Dosen)
  • Computerspiele
  • chatten bis zum umfallen
  • Jodel suchten
  • Blogs schreiben
  • filmen und fotografieren
  • Volleyball mit einem platten Ball im Regen spielen
  • schlafen
  • versuchen zu kochen
  • Wetten abschließen (wie lange es dauert, bis der Mülleimer vor der Tür durch den Regen gefüllt ist

"hurricane survival"-Outfit

edit [29.08.2017]

Nach dem Schreiben des Textes viel Nachts der Strom erneut aus und es begannen sich die Bäume um den Trailer herum dem Wetter zu beugen, unter anderem der Baum direkt vor dem Trailer. Darauf wurde der einstimmige Beschluss gefasst ins Administrationsgebäude umzuziehen. Wir schnappten uns unser Notfallgepäck und machten uns mit dem Auto auf den zu unserem angestrebten Ziel. Hierbei mussten wir den Fluss der reisenden Stromschnellen (direkt vor unserem Trailer), dem Wald der müden Bäume und den See der Spannung überstehen. Angekommen verbrachten wir die Zeit damit, Serien zu schauen, denn glücklicherweise gibt es dort Notstromaggregate. Nach einer gefühlten Ewigkeit war die Stromversorgung wieder hergestellt und wir wagten es zum Trailer zurück zukehren. Wie es der Zufall wollte fiel der Strom erneut aus (bis zum nächsten Tag) und wir gingen schlafen.

An dieser Stelle noch einen wichtigen Tipp: "Was man nicht an hat, kann auch nicht nass werden" ;)

"very smart move [from Hendrik]" - "Yes, because he is the brain and we are the muscles"